Azada Henze

TranslAid

Foto der Ehrenamtlichen

SPRACHEN: DEUTSCH, ASERBAIDSCHANISCH, RUSSISCH, ENGLISCH

DEUTSCHES LIEBLINGSWORT: WANDERLUST


Heute stellen wir euch unsere liebste Azada vor. Azada kommt aus Aserbaidschan und ist seit 1 ½ Jahren dabei. Wir wollen euch heute von ihr und ihren Erfahrungen berichten.


Weg ins Ehrenamt und Mitarbeit an der Entwicklung der ArrivalAid-App

Azada hat von Anfang an zusammen mit dem Softwareunternehmen iteratec GmbH ehrenamtlich an der Entwicklung der App gearbeitet. Mit dieser App werden künftig die Dolmetscheinsätze von TranslAid vermittelt. Jede*r Ehrenamtliche bekommt dann die Vorschläge zu den Einsätzen direkt in der App und kann sie dort buchen. Bei der App-Entwicklung hat Azada die Kalenderbuchung programmiert. Man kann dort seinen Urlaub eintragen. Und dann bekommt man in dieser Zeit keine Einsätze oder E-Mails. Am Ende hat Azada dann getestet, ob alles so funktioniert.

“Der schwierige Teil an der Entwicklung war, dass es nicht mein Spezialgebiet beim Programmieren ist und auch eine für mich neue Programmiersprache genutzt wurde. Aber das Team war super und dann hat alles gut funktioniert. Ich habe am Anfang 10 – 16 Stunden pro Woche an der App gearbeitet. Jetzt ist es weniger. Jetzt übernehme ich aber mehr Einsätze als Sprachmittlerin. Ich dolmetsche am meisten in Russisch. Dort gibt es viele Einsätze.”

Azada wollte sich ehrenamtlich engagieren. In Fürstenried, wo sie früher gewohnt hat, gibt es ein ehrenamtliches Zentrum. Dort gab es verschiedene Ausschreibungen für Ehrenämter. In diesem Zentrum hat Azada von der Möglichkeit erfahren die App für TranslAid mitzuentwickeln. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie noch nicht viel über TranslAid und ArrivalAid. Nachdem sie die Projekte kennengelernt hatte, war sie begeistert und ist deswegen bis heute ehrenamtlich für TranslAid tätig.


Erfahrungen bei TranslAid

Immer wieder geht es bei den Einsätzen um schwierige Themen, sagt Azada. Oft war sie zum Dolmetschen bei Einsätzen im Krankenhaus. Vor allem für die Personen, die die Übersetzung gebraucht haben, waren es schwierige Situationen. Die Einsätze als Sprachmittler*innen können also für die Sprachmittlerin und für die Hilfe benötigende Person anstrengend und belastend sein.

“Einmal hat eine Frau bei einem Einsatz fast geweint, als sie erfahren hat, dass wir uns bei TranslAid alle ehrenamtlich engagieren.” Azada sagt, dass sie sich über diese Reaktion sehr gefreut hat, weil sie gemerkt hat, dass bei TranslAid etwas Gutes getan wird.

Es gibt zwei Herausforderungen als Sprachmittlerin, sagt Azada. Die eine ist eher technisch und die andere eher emotional. Manchmal gibt es Wörter, die auf Deutsch schwierig sind. Denn Deutsch ist nicht Azadas Muttersprache. Da ist es dann manchmal schwer, die Aussagen richtig zu übersetzen. Auf der anderen Seite ist es schwer, sich von den Personen bei den Einsätzen zu distanzieren, weil es teilweise um belastende Themen geht. Es tut ihr immer leid, wenn Personen bei einem Einsatz eine schlechte Diagnose bekommen.


Tipps zum Dolmetschen

Andere Menschen in Deutschland sagen oft, dass es nicht notwendig ist, sich zu engagieren, weil es in Deutschland schon so viele Angebote gibt. Azada ist da anderer Meinung. Es gibt einen großen Bedarf und es sollten sich noch mehr Menschen engagieren. Man muss sich aber klar sein, dass man im Ehrenamt auch professionell sein muss. Auch wenn es in der Freizeit stattfindet, ist es eine Arbeit und man muss es ernst nehmen. Vorbereitung ist auch wichtig und man muss immer mit dem Kopf bei der Sache sein.

Azada hat dafür einen Tipp: Wenn eine Person neu mit dem Dolmetschen beginnt, sollte er oder sie sich immer gut vorbereiten. Am Anfang langsam einsteigen und nur wenige Einsätze übernehmen. Vielleicht alle 2 oder 3 Wochen einen Einsatz. Damit man nicht gleich denkt, dass alles zu viel ist und man keine Zeit dafür hat. Es ist besser, wenn man eher langsamer anfängt und dann aber konsistent dabei ist. Es ist auch wichtig, dass man lernt, wie viel man machen kann. Und auf diese eine Aufgabe kann man sich dann gut konzentrieren.

“Wenn du überlegst, selbst ehrenamtlich tätig zu werden. Dann wage jetzt den ersten Schritt und fange einfach an.“

 

Motivation zum Engagement bei TranslAid

Azada ist es wichtig, sich bei TranslAid zu engagieren, weil sie selbst vor 10 Jahren ohne Familie nach Deutschland gekommen ist. Sie ist der Meinung, dass Menschen, die aus einem Land fliehen, in dem Land, in dem sie ankommen, Unterstützung bekommen müssen. Sie glaubt an die Ideen und Ziele von TranslAid und möchte Menschen unterstützen. Für sie ist es besonders wichtig, weil sie die Situation der Menschen gut nachvollziehen kann. Azada empfand die Sprache am Anfang als besonders große Hürde und hatte leider keine Unterstützung. Es war auch psychisch schwierig, weil die Leute sie nicht verstanden haben und Azada sie auch nicht.

Sie glaubt, es ist für geflüchtete Menschen wichtig zu wissen, dass es Unterstützung für sie gibt und Menschen, die helfen wollen. Viele ihrer Freund*innen, die auch aus Aserbaidschan kommen, hätten sich eine solche Unterstützung bei ihrer Ankunft auch gewünscht.

Das schwierigste deutsche Wort, sagt Azada, ist “gleichgeschlechtlich”. Sie fand es sehr schwer auszusprechen, als sie es zum ersten Mal gehört hat. Dagegen findet Azada “Wanderlust” ein sehr schönes deutsches Wort. Auch wenn das sehr viele Menschen sagen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Azada findet es schön, weil sie es bisher noch in keiner anderen Sprache gehört hat.

Vielen Dank für das Interview und dein Engagement als ehrenamtliche Dolmetscherin und App-Entwicklerin!