Jorge Beltran

Jobmentoring bei ArrivalAid

Wie bist du zu ArrivalAid gekommen?

Ich war Anfang des Jahres auf der Freiwilligenmesse im Gasteig. Schon seit längerer Zeit wollte ich mich sozial engagieren und da sowieso das neue Jahr begonnen hatte, konnte ich gleich einen Neujahrsvorsatz umsetzen. Das hat mich motiviert und dann dachte ich mir, das mache ich jetzt. Euer Stand dort ist mir sofort aufgefallen und ihr habt einen super positiven und professionellen Eindruck gemacht. Dann habe ich Sofie kennengelernt und wir haben uns über das Mentoring-Programm von ArrivalAid unterhalten, das mir gleich zugesagt hat. Ich fand es sehr interessant, das war genau das, was ich gesucht hatte. Ich habe mich sofort für die Schulung am nächsten Tag angemeldet. So schnell kanns gehen. 

Seit wann engagierst du dich ehrenamtlich bei ArrivalAid?

Anfang Februar 2019 war meine erste Schulung und Anfang März habe ich dann richtig angefangen. Bis jetzt habe ich also zwei Durchläufe gemacht, denn Mentorings finden ja alle drei Monate statt.

Ist das dein erstes Ehrenamt oder hast du dich davor schon einmal sozial engagiert?

Ich habe mich zuvor schon mal in Mexiko engagiert, aber das ist schon sehr lange her. In Mexiko ging das von der Schule aus und wir haben in ärmeren Vierteln soziale Projekte gemacht und damit Kinder unterstützt. Während des Studiums habe ich nichts gemacht, deswegen dachte ich mir, ist es jetzt wieder an der Zeit aktiv zu werden. 

Wie viele Stunden pro Woche engagierst du dich?

Am Anfang war es ein bisschen mehr, mittlerweile ist es ein bisschen weniger geworden, weil ich beruflich einfach sehr oft unterwegs bin und deswegen hat es nicht immer geklappt.  Aber normalerweise so ungefähr 1,5 bis 2 Stunden pro Woche. 

Warum engagierst du dich bei ArrivalAid?

Ich komme aus Mexiko und dort gibt es sehr viel Armut. Ich hatte das Glück, eine private Ausbildung zu bekommen und dank dieser Ausbildung durfte ich ganz bequem nach Deutschland kommen, um hier zu studieren. Ich kann mir hier ein schönes Leben machen und habe gute Zukunftsperspektiven. Und ich dachte mir immer, ich will dieses Glück mit den Leuten teilen, die das nicht haben. Und das sind hier auch vor allem die Menschen auf der Flucht. Menschen, die zu Hause keine Sicherheit, geschweige denn Perspektiven auf eine gute Ausbildung haben, die ihnen erlauben würde, auf normalem Wege nach Deutschland zu kommen. Deswegen dachte ich mir, wenn ich ein bisschen dazu beitragen kann, ihnen zu helfen, dann habe ich meinen Job getan. Das Job Mentoring-Programm hat mir deshalb auch sehr gut gefallen, weil man den Leuten so nachhaltig helfen kann. Und ArrivalAid waren die einzigen, die ich auf der Messe gesehen habe, die diese Art von Hilfe anbieten.

Welches positive Erlebnis ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Ich finde schön, dass immer ein Austausch stattfindet. Was ich persönlich sehr schön finde ist, dass die meisten immer noch sehr nette Erinnerungen an das Land haben, aus dem sie geflüchtet sind. Sie können immer super schöne Sachen erzählen, zum Beispiel wie fröhlich die Menschen dort sind, wie gut das Essen oder wie schön das Wetter ist. Was ich auch sehr positiv in Erinnerung habe, war das allererste Mal, als mein Mentee sich mir gegenüber geöffnet hat. Er hat mir erzählt, dass er sich Sorgen um seinen Kumpel macht, weil die Anhörung nicht gut gelaufen ist und er Angst hat, dass der Kumpel das Land verlassen muss. Dabei war seine eigene Situation auch total ungewiss.

Würdest du anderen empfehlen, sich ehrenamtlich zu engagieren? Würdest du anderen empfehlen, sich bei ArrivalAid zu engagieren?

Ja klar, auf jeden Fall! Also es ist ja immer so eine Sache, man möchte sich eigentlich engagieren und schlussendlich passiert dann doch wieder nichts. So ging es mir auch, deswegen am besten einfach mal machen und sich spontan entscheiden, so wie ich. Denn Zeit findet man immer und wir haben sowieso zu viel Freizeit. Man kann immer wieder was Gutes machen mit dieser Freizeit. Bei ArrivalAid sowieso, ihr seid eine tolle Organisation und ein total nettes und super offenes Team. Es gibt immer wieder coole Veranstaltungen, bei denen man von Profis lernen kann und natürlich auch von den Mentees.

Was bringt dir dein Engagement bei ArrivalAid auf persönlicher Ebene?

Generell ist der Austausch mit Menschen aus anderen Ländern, mit anderer Herkunft immer bereichernd. Vor allem habe ich schon immer die Stärke von Menschen bewundert, die flüchten müssen. Beispielsweise auch die Mexikaner, die über die Grenze nach Amerika gehen. Das sind Menschen, die bereit sind, alles zu riskieren und zu opfern für ihre Zukunft. Das ist etwas, das ich noch nie durchgemacht habe und ich weiß nicht, ob ich selbst dazu in der Lage wäre. Und so eine schwierige Situation zu bewerkstelligen und trotzdem positiv zu bleiben, das ist etwas, das ich bewundere!

Und das hilft vielleicht auch wertzuschätzen, was wir hier haben. Dass wir in so einem schönen Land leben, in so einer wundervollen Stadt. Und dass alles, was wir hier haben, nicht selbstverständlich ist.